Jon Pynnewyn ist einer von drei englischen Hauptmännern/Kapitänen, die zwischen Ende 1378 und Anfang 1379 ein Danziger Schiff vor der englischen Südküste überfallen, dessen Kapitän töten, teilweise weiteren Besatzungsmitgliedern Schaden zufügen und sowohl Geld als auch Ware dem Schiff entwenden.

Leben

Namensvarianten: John Pynwyn[1]

Lebensdaten: um 1379[2]

Herkunft: Plymouth (Pleymude[3]/Plimmouth[4])

Tätigkeitsgebiet: Schiffer[5] im Ärmelkanal (Plymark[6]/Pleymark[7]/Southhampton[8])

Verwandtschaft: Es können keine Verwandten eindeutig ausgemacht werden, allerdings lassen sich mehrere Personen mit ähnlichen Namen finden, bei denen zumindest vermutet werden kann, dass sie mit Jon Pynnewyn verwandt sind:

Joh. Pynnawe: Am 14. Oktober 1406 wird einem preußischen Schiffer namens Joh. Pynnawe, einer der Kapitäne des Schiffes „le Cristofre“, vom englischen König Heinrich IV. ein Schutzbrief ausgestellt.[9] Auf Grund des Schutzbriefes vom englischen König, dem sehr ähnlichen Namen und der nur 27-jährigen Distanz zum bereits genannten Ereignis, könnte durchaus auch von einer Identität beider Personen ausgegangen werden, die ausdrückliche Angabe aber, dass Joh. Pynnawe aus Preußen stamme, wobei Jon Pynnewyn ausdrücklich aus Plymouth komme, spricht stark dagegen. Möglich scheint deswegen nur eine Verwandtschaft beider Personen, wobei auch das nicht eindeutig herauszufinden ist.

Henning Pinnow: Der Lübecker Bürger erhält im Januar 1474 einen Schuldbrief, nachdem er in den Jahren 1464, 1467 und 1469 deutscher Bürgermeister in Stockholm war.[10] Weitere Informationen lassen sich über diese Person nicht finden, weshalb auch über die Ähnlichkeit des Nachnames hinaus keine Verbindung zu Jon Pynnewyn hergestellt werden kann.

Heyno Pynnowe: Dem Rostocker Bürger wird unter anderem eine Kogge geraubt, weshalb im Dezember 1342 von Rostock ein Beschwerdebrief an die holsteinischen Grafen geschrieben wird.[11] Weitere Informationen lassen sich über diese Person nicht finden, weshalb auch über die Ähnlichkeit des Nachnames hinaus keine Verbindung zu Jon Pynnewyn hergestellt werden kann.

Johan Pynnowe: Im März 1496 wird über den Untergang eines mit Salz beladenen Schiffes in Lissabon berichtet, der 20 Jahre zurückliegt und dessen Kapitän der Danziger Bürger Johan Pynnowe war.[12] Weitere Informationen lassen sich über diese Person nicht finden, weshalb auch über die Ähnlichkeit des Nachnames hinaus keine Verbindung zu Jon Pynnewyn hergestellt werden kann. Auf Grund seiner Herkunft könnte ebenfalls eine Verwandtschaft zu oben genanntem Joh. Pynnawe bestehen.

Schiffer Pinnow: Ein Schiffer aus Wismar, über den man allerdings nicht mehr als seinen Nachnamen herausfinden kann.[13]

Schiffer Pynnaw: Ein preußischer Schiffer, welcher im Zusammenhang mit einer Wegnahme von Schiffen durch Engländer im Oktober 1406, auftaucht, über den man allerdings nicht mehr als seinen Nachnamen herausfinden kann.[14]

Peter Pynne: Ein Kaufmann aus Arnheim, welcher in den Schossbüchern des Kaufmanns zu Brügge aus den Jahren 1420 bis 1469 auftaucht.[15] Weitere Informationen lassen sich über diese Person nicht finden, weshalb auch über die Ähnlichkeit des Nachnames hinaus keine Verbindung zu Jon Pynnewyn hergestellt werden kann.

Tätigkeiten

Aktivitäten als Fehdehelfer: Zu bereits benanntem Überfall gibt es mehrere Quellen, die sich zumindest im Kern einig sind: Die drei englischen Kapitäne einer Bardze/Barge Jacke Hobbe, Jon Pynnewyn und Nickel Mertin überfallen die Kogge des Danziger Schiffers Tidemann Sticker und töten ihn, fügen seinen Mitfahrern teilweise erheblichen Schaden zu und rauben Geld und weitere Güter.[16]

  • Zeitpunkt des Überfalls: Die erste Quelle des Ereignisses ist auf den 14. März 1379 datiert[17] und lässt deshalb einen Zeitpunkt Anfang des Jahres 1379 erahnen. Die letzte Quelle zu benanntem Vorfall, knapp sieben Jahre später verfasst, datiert das Ereignis circa in das Jahr 1378,[18] weshalb das Ereignis wohl zwischen Ende des Jahres 1378 und Anfang des Jahres 1379 stattfand.

  • Ort des Überfalls: Der überfallene Schiffer war von Preußen Richtung Santiago de Compostela (Sankt Jakob in Gallizien) gereist[19] und anschließend aus dem Bay of Biscay (Bay) kommend[20] Richtung Flandern[21] unterwegs, als er vor den Küsten Englands mit der englische Bardze zusammentraf.[22] Während das HUB die Herkunft der Bardze in Southhampton verortet[23], geben zwei Quellen in den HR den Ort des Überfalls vor Plymark[24] beziehungsweise Pleymark[25] an. Auf Grund der Reiseroute Tidemann Stickers und der Ortsangaben englischer Städte muss der Überfall im heutigen Ärmelkanal stattgefunden haben.

  • Vorgehen der Engländer: In zwei Quellen wird das Vorgehen der Engländer durchaus listig dargestellt: In ersterer gelangen die Engländer in Freundschaft und Frieden auf das Schiff und offenbaren erst später ihre wahren Absichten,[26] in zweiterer geben sie ebenfalls Freundschaft und Frieden vor, dringen dann allerdings unerwartet in das Schiff ein.[27] In den anderen Quellen können diese Beschreibungen einer unehrlichen Vorgehensweise nicht gefunden werden.

  • Hinzugefügter Schaden (Menschen): Bei der Beschreibung des den Schiffern der Danziger Kogge zugefügten Schadens weichen die unterschiedlichen Quellen voneinander ab. Ausschließlich die Tötung des Kapitäns Tidemann Sticker lässt sich in ausnahmslos allen Quellen finden.[28] Die erste Quelle des Überfalls schildert neben der Tötung Stickers auch die seines Mitreisenden Johan Medingh aus Lübeck und ebenfalls die Verwundung vieler Männer auf dem Schiff.[29] Die einen Monat später verfasste Quelle berichtet, dass der Kapitän als einer von dreien getötet wurde, 16 Männer schwer verletzt wurden und nur überlebten, weil ihnen andere Männer zur Hilfe kamen.[30] In der 1380 verfassten Quelle wird dargelegt, dass der Kapitän getötet wurde, fünf oder sechs Schiffer über Bord geschmissen wurden und die Besatzung geschlagen wurde.[31] Die letzte Quelle des Überfalls beschreibt, dass der Kapitän getötet und mit nur drei weiteren Männern ins Meer geworfen wurde. Außerdem habe man ihm die Finger abgetrennt, um an seine Ringe zu gelangen.[32] Obwohl die unterschiedlichen Erzählungen teilweise abweichen, wird in allen gleichermaßen deutlich, dass nicht nur dem Kapitän, sondern auch seinen Mitreisenden Schaden zugefügt wurde und die Beschreibungen zeigen auch, dass der Überfall mit großer Brutalität durchgeführt wurde.

  • Hinzugefügter Schaden (Ware): Ähnlich wie bei den Beschreibungen des den Schiffern der Danziger Kogge zugefügten Schadens unterscheiden sich die Berichte zumindest teilweise auch beim materiellen Schaden, weswegen hier einzeln der jeweils aufgeführte Schaden, beschrieben wird. In der zweiten Quelle des Überfalls wird die Wegnahme von guter Ware, von Harnischen und von Geld, drei Pfund Grote, beschrieben. Die englischen Kapitäne hätten den Schiffsmännern und Matrosen 800 flämische Schilde Schaden zugefügt, die Gesellschaft des Koggen habe 150 Pfund Grote Schaden zu verzeichnen und außerdem wäre das Schiff für 600 Schilde weniger verkauft worden, als es wert wäre.[33] Die zuvor im März 1379 verfasste Quelle berichtet ausschließlich von der Wegnahme von Harnischen und anderen Geräten, allerdings nicht von einem Verkauf der Schiffes, sondern davon, dass die Engländer das Schiff segeln ließen.[34] Auch das HUB führt aus, dass die Engländer das Schiff segeln ließen, allerdings nicht ohne zuvor das ganze Geld, die Harnische und weitere Güter des Kapitäns und seiner Schiffer zu entwenden. Die Summe des Schadens beläuft sich auf 135 lv. 6 s. 3d.[35] In den späteren Quellen werden dann die Personen genannt, denen Schaden dadurch entstand, dass die Engländer der Kogge Güter entwendeten: Goswin Grote verliert 150 Pfund Grote[36], was darauf schließen lässt, dass er der in der ersten Quelle genannte Gesellschafter des Schiffes ist und ein gewisser Flemynge verliert durch den Überfall zehn Mark.[37]

  • Umgang der Geschädigten mit dem Überfall: Während sich in den englischen Quellen nichts zu beschriebenem Vorfall finden lässt, findet er in den hansischen Quellen durchaus Beachtung. Als erste Reaktion auf den Vorfall warnt der deutsche Kaufmann zu Brügge am 14. März 1379 die preussischen Städte auf Grund der Überfälle durch Engländer vor eben diesen.[38] Kurze Zeit später wird auf der Versammlung zu Marienburg am 17. April 1379 wegen der englischen Übergriffe beraten, dass man keine Pfundgeld mehr bezahlen will und auch der Abbruch des Verkehrs mit England in Betracht gezogen wird.[39] Im Januar des darauffolgenden Jahres überreichen die hansischen Kaufleute in England die Klageartikel der hanischen Gesandten, die sie 1379 aufgestellt hatten.[40] 1386 kommt es schließlich zu Verhandlungen mit England, nachdem erneut englische Übergriffe stattfanden. Hier wird nun allerdings nicht nur der neue Schaden in Klageartikeln und Berichterstattungen dargelegt, sondern auch der alte, weshalb der Überfall auf Sticker hier ebenfalls Beachtung findet.[41]

Status: Gewaltakteur

Fahrgemeinschaften: Seine Mitfahrer beim oben beschrieben Vorfall heißen Jacke Hobbe und Nickel Mertin.[42]

Auftraggeber: unbekannt

Angaben zu Schiff und Besatzung: Beim Schiffstyp handelt es sich um eine Bardze[43]/Barge[44], welche in einer Quelle sogar als bewaffnet beschrieben wird.[45]

Sonstige Tätigkeiten: unbekannt

Sonstiges

Die Person Joh. Pynnawe aus den Hanseakten aus England kann nicht eindeutig als dieselbe Person ausgemacht werden.

Weiterhin wurde in folgenden Quellen gesucht, aber nichts gefunden:

Verein für hansische Geschichte (Hrsg.): Hanserecesse. Abt. 1, Die Recesse und andere Akten der Hansetage: 1256-1430. Leipzig 1870-1897, Bd. 1, 3, 4, 5, 6, 7, 8.

Ropp, Goswin Freiherr von der (Hrsg.): Hanserecesse. Abt. 2, 1431 - 1476. Leipzig 1876 - 1892, Bd. 1 - 7.

Höhlbaum, Konstantin / Kunze, Karl u.a. (Hrsg.): Hansisches Urkundenbuch, Halle (später München) 1876-1916, Bd. 1, 5, 7, 8, 11.

Friedlaender, Ernst (Hrsg.): Ostfriesisches Urkundenbuch. Bd. 1. Wiesbaden 1968-1975.

Quellen

HR 1.2, Nr. 174.

HR 1.3, Nr. 122.

HR 1.3, Nr. 199.

HR 1.3, Nr. 202.

HUB, Bd. 2, Nr. 726

HUB, Bd. 4, Nr. 672.

HUB, Bd. 5, Nr. 743.

HUB, Bd. 6, Nr. 620.

HUB, Bd. 9, Nr. 687.

HUB, Bd. 10, Nr. 289.

Kunze, Karl (Hg.), Hanseakten aus England: 1275-1412, Halle a. S. 1891, Nr. 298.

Literatur


Einzelnachweise

  1. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  2. HR 1.2, Nr. 174.

  3. HR 1.2, Nr. 174.

  4. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  5. HR 1.2, Nr. 174.

  6. HR 1.3, Nr. 199.

  7. HR 1.3, Nr. 202.

  8. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  9. Kunze, Karl (Hrsg.): Hanseakten aus England: 1275-1412. Halle a. S. 1891, Nr. 298.

  10. HUB, Bd. 10, Nr. 289.

  11. HUB, Bd. 2, Nr. 726.

  12. HUB, Bd. 6, Nr. 620.

  13. HUB, Bd. 2, Nr. 725.

  14. HUB, Bd. 5, Nr. 743.

  15. HUB, Bd. 9, Nr. 687.

  16. HR 1.2 Nr. 174, HUB 4 Nr. 672 und HR 1.3 Nr. 122, 199, 202.

  17. HR 1.3, Nr. 122.

  18. HR 1.3, Nr. 202.

  19. HR 1.3, Nr. 122.

  20. HR 1.3, Nr. 202 und HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  21. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  22. HR 1.3, Nr. 122 und HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  23. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  24. HR 1.3, Nr. 199.

  25. HR 1.3, Nr. 202.

  26. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  27. HR 1.3, Nr. 202.

  28. HR 1.2 Nr. 174, HUB 4 Nr. 672 und HR 1.3 Nr. 122, 199, 202.

  29. HR 1.3, Nr. 122.

  30. HR 1.2, Nr. 174.

  31. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  32. HR 1.3, Nr. 202.

  33. HR 1.2, Nr. 174.

  34. HR 1.3, Nr. 122.

  35. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  36. HR 1.3, Nr. 199, 202.

  37. HR 1.3, Nr. 199.

  38. HR 1.3, Nr. 122.

  39. HR 1.2, Nr. 174.

  40. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  41. HR 1.3, Nr. 199. 202.

  42. HR 1.2, Nr. 174

  43. HR 1.2, Nr. 174

  44. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  45. HR 1.3, Nr. 202.


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